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Patentrecht 27. September 2026 · Lesezeit 4 Minuten

Mercedes-Patent – Schwimmender Geländewagen (G-Klasse)

Mercedes-Benz hat ein Patent für ein schwimmfähiges Geländefahrzeug eingereicht – die Technologie könnte die G-Klasse in einen Amphibien-Boliden verwandeln. Kein Bootsrumpf, keine Propeller: Stattdessen kommen aufblasbare Radhausaufsätze, softwaregesteuerte Individualdrehmomente und adaptive Fahrwerkssenkung zum Einsatz.

Die Anmeldung, veröffentlicht als DE102024002781B3, listet Joerg Kneip als Erfinder und die Mercedes-Benz Group AG als Anmelderin beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA). Medien wie CarBuzz, Motor1 und der USAToday berichten aktuell über die Spezifikationen. Wichtig: Es handelt sich um eine reine Patentanmeldung ohne öffentliches Serienprogramm. Was Mercedes hier zeigt, ist ein Technologie-Showcase für die nächste Generation von Offroad-Fahrzeugen – und ein direkter Wettbewerbsblitz gegen andere Hersteller, die bereits ähnliche Amphibien-Features bewerben.

Das Patent im Detail: Wie ein SUV schwimmen kann

Der Clou des Patents: Weder ein fester Ponton noch eine starre Schwimmkarosserie. Stattdessen nutzt Mercedes die bestehenden Radhäuser als Auftriebskammern. Herausnehmbare Einsätze aus Schaumstoff oder aufblasbarem Material sitzen in jedem Radhaus. Die Steuerung übernimmt eine zentrale Steuereinheit, die jeden der vier Einsätze unabhängig befüllen oder entleeren kann.

→ Auftrieb nicht global, sondern Ecke für Ecke regelbar – so passt sich das Fahrzeug dynamisch ungleicher Beladung und wechselnden Strömungen an.

Auftrieb und Antrieb: Die Räder als Ruder

Sobald der Auftrieb greift, bleiben die Räder aktiv. Das Patent beschreibt Reifen, die sich auch ohne Bodenkontakt weiterdrehen – und steuern lassen. Die adaptive Fahrwerkssenkung verändert den Winkel der Räder, sodass sie im Wasser wie Ruder funktionieren. Kein Propeller, kein Jetsystem: Die Motoren, die das Fahrzeug an Land bewegen, treiben es auch im Wasser an.

Die Steuereinheit kann jedem Rad unterschiedliche Vorwärts- oder Rückwärtsmomente zuweisen. Das korrigiert Strömungen, ungleichmäßigen Wasserwiderstand und einen schrägen Uferanstieg. Dieselbe Technik steuert auch den Übergang von der Wasser- zur Landfahrt: Das System leitet die Kraft gezielt an einzelne Ecken, damit das SUV in die gewünschte Richtung zeigt und seitliches Abdriften auf der Uferkante minimiert wird.

Speicher & Platz: Wo die Einsätze unterkommen

Der Stauraum für die entleerten Einsätze befindet sich dort, wo normalerweise ein Reserverad untergebracht wäre. Der bordeigene Luftkompressor – bereits aus modernen SUVs bekannt – befüllt die Elemente vor einer Wasserdurchfahrt. Die Idee ist modular und umkehrbar: Heraus, ablegen, weiterfahren. Keine dauerhafte Umrüstung, kein Spezialfahrzeug. Der Aufwand lässt sich auf das Wesentliche reduzieren – ein Button-Druck, ein Softwaremodus „Water Mode“, und das SUV wechselt von der Straße ins Wasser.

Die elektrische G-Klasse als natürlicher Kandidat

Das Patent identifiziert kein bestimmtes Serienmodell, aber die Elektrische G-Klasse – der G 580 mit EQ Technology – bietet die technische Basis für diese Funktion. Vier einzeln angesteuerte Elektromotoren, eine adaptive Luftfederung und ein hochmodulares Steuerungsnetzwerk: Nur so lässt sich das per-Rad-Drehmomentmanagement in der geforderten Präzision umsetzen. Ein konventioneller Allradantrieb mit zentralem Differential könnte das nicht.

→ Die bereits 850-Millimeter-Wattiefe des G 580 wird durch ein schwebendes Konzept obsolet – die Wassertiefe hört auf, eine Begrenzung zu sein.

Patentrechtliche Einordnung

Die Anmeldung DE102024002781B3 wurde beim Deutschen Patent- und Markenamt eingereicht und als „Schwimmfahrzeug sowie Verfahren“ klassifiziert. Die Erteilung des Patentschutzes steht technisch noch aus und muss die übliche Prüfung durchlaufen. Die Patentschrift schützt nicht nur die Hardware der Auftriebseinsätze, sondern auch das Verfahren des softwaregesteuerten Drehmomentmanagements, die adaptive Fahrwerkskontrolle und die Steuerung des Wasser-Land-Übergangs.

Ein solcher Patentanspruch könnte für Wettbewerber im Bereich der Amphibien-Offroad-Technologie eine Hürde darstellen. Unternehmen, die ähnliche Systeme entwickeln – sei es im europäischen Raum, in den USA oder in Asien – müssten hierumgehen oder auf Lizenzierung drängen. Die strategische Bedeutung ist klar: Mercedes möchte einen möglichen Technologievorsprung im Bereich der schwimmenden Offroad-Fahrzeuge patentrechtlich absichern.

Praktische Relevanz: Wo diese Technologie hinführt

Auch wenn es sich um ein Patent und kein Serienprojekt handelt, gibt es mehrere interessante Abzweigungen:

  • Feuerwehr und Rettungsdienste: Ein Fahrzeug, das über Fluten und überschwemmtes Gelände hinwegkommt, ohne umsteigen zu müssen.
  • Militärische Anwendungen: Amphibienfähige Aufklärungsfahrzeuge mit Straßentauglichkeit – ein bereits heute relevantes Feld, in dem Mercedes als Zulieferer aktiv ist.
  • Expeditions- und Freizeitmarkt: Luxuriöse Offroad-Fahrzeuge mit amphibischen Fähigkeiten könnten ein neues Segment erschließen – besonders für Expeditionsteams, die über Flüsse und Seen müssen.

Praktische Relevanz

Die Kombination aus aufblasbaren Einsätzen, per-Rad-Drehmoment und adaptivem Fahrwerk zeigt, dass die Grenzen zwischen Land- und Wasserfahrzeugen in der Theorie bereits verschwimmen. Die praktische Umsetzung – Korrosionsschutz, Abdichtung, Crash- und elektrische Sicherheit – ist jedoch eine andere Baustelle.

Fazit

Von der Patentanmeldung zur Serienreife?

Mercedes-Benz demonstriert mit diesem Patent, dass die Amphibien-Technologie für SUVs technisch machbar ist – ohne starre Pontons, ohne Propeller und ohne den Verzicht auf Straßentauglichkeit. Die patentrechtliche Absicherung der DE102024002781B3 zeigt die strategische Absicht: Wer hier als Erster marktreif wird, setzt den Standard. Bis es so weit ist, bleibt das Projekt jedoch eine faszinierende Vision – und ein Musterbeispiel dafür, wie Patente Zukunftstechnologien schützen, bevor sie Serienreife erreichen.

  • Patent: DE102024002781B3 – „Schwimmfahrzeug sowie Verfahren“
  • Erfinder: Joerg Kneip, Mercedes-Benz Group AG, DPMA
  • Technik: Aufblasbare Radhausaufsätze, per-Rad-Drehmoment, adaptives Fahrwerk
  • Status: Patentanmeldung, kein Serienprogramm

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